Secret Communication 88 – Das Leben der Hedy Lamarr

von Alexander Mitterer und Erik Jan Lippmann

Uraufführung

Sie war die schönste Frau des 20. Jahrhunderts.
Sie war die erste Nackte der Filmgeschichte.
Sie war die Hollywood-Diva der 1940er Jahre.
Sie war die Erfinderin der Mobilfunkkommunikation.
Sie war Österreicherin.

Ihr Leben liest sich wie ein Kaleidoskop der Kultur- und Unkulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Hedy Lamarr, bewundert, verehrt, vergessen. Ein österreichische Ikone! „Secret Communication – 88 – Das Leben der Hedy Lamarr“, widmet sich dieser vielschichtigen spannenden Persönlichkeit, die wie keine andere die Kommunikations- und Sozialgeschichte der Menschheit verändert hat.

Ausgehend vom bisher noch unbeachteten Grundgedanken in der Literatur über Hedy Lamarr, dass eine der revolutionärsten Erfindungen bzw. Entdeckungen des 20. Jhds., das „Frequenzsprungverfahren“, welches die Grundlage für alle Formen moderner, mobiler, militärisch und zivil genutzter Kommunikation darstellt, seinen geistigen Ursprung in den futuristischen Manifesten Filippo Tommaso Marinettis hat, versuche ich das spannende, wechselvolle Leben der einstmals schönsten Frau des 20. Jahrhunderts, der Filmdiva, Entdeckerin und vielschichtigen Persönlichkeit Hedy Lamarr zu erzählen.

Aufgrund der Tatsache, dass diese Entdeckung Resultat einer musiktheoretischen Überlegung (der Schlüssel zur Lösung des Problems waren die 88 Tasten der Klaviatur) war, näherte ich mich dem Mythos Hedy Lamarr auch über die Musik.

Kernpunkt dieser Auseinandersetzung mit dieser großartigen Persönlichkeit stellt das Spannungsfeld von Gewalt und Sex, Krieg und Kunst dar.

So wie einstmals im jüdisch-christlichen Schöpfungsmythos Gott die Erde und den Menschen schuf, waren die Futuristen, insbesondere deren ideologischer Anführer F.T.Marinetti, davon überzeugt, mithilfe der neuen Technik (Verbrennungsmotoren) und unbeugsamer Willenskraft einen neuen Menschen, ein in der Vielheit aufgehendes Subjekt zu kreieren.

Mit ihrer Forderung nach freier Syntax und drahtloser Phantasie nehmen sie schon alltägliche Gebrauchsformen unserer heutigen Kommunikationsmöglichkeiten visionär vorweg.

„Laßt uns das Unsichtbare erspähen und das Unerhörte vernehmen!“ (Marinetti)

Alexander Mitterer über sein Stück

Vorstellungen

Premiere

7. November 2013, 20:00 Uhr, TTZ – Tanz & Theaterzentrum

Weitere Vorstellungen

8., 9., 13., 14., 15., 22., und 23. November 2013, jeweils 20:00 Uhr im TTZ

4. und 25. April 2014, 20 Uhr, Theater Halle 11, Klagenfurt

Details zum Stück

Secret Communication – 88 – Das Leben der Hedy Lamarr

von Alexander Mitterer und Erik Jan Rippmann. Uraufführung.

Inszenierung

Alexander Mitterer

mit

Klaudia Reichenbacher
Ildiko Babos
Felix Krauss
Michael Merkusch

Produktionsleitung & Bühne

Klaudia Reichenbacher

Musik

Michael Merkusch

Kostüme

Ardea Luh

Kritiken

„Eine Ikone der männlichen Ehre“

„Dem Theater Kaendace ist ein überaus ergreifender Abend gelungen, den man sich nicht entgehen lassen sollte.“
Ch. Hartner , Kronen Zeitung, 9. 11. 2013

„Kunstvoll nähert sich das Theater Kaendace der von Ildiko Babos und Klaudia Reichenbacher verkörperten janusköpfigen Schönheit (…)
Mit Felix Krauss und Klangmeister Michael Merkusch hauchen die ästhetischen Momentaufnahmen unter Alexander Mitterer dem verblassten Idol Leben zwischen Glanz und Bitterkeit ein.“
Elisabeth Willgruber-Spitz , Kleine Zeitung 10.11.2013

Hedy Lamarr
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Als am 28.01.1966 eine etwa 50-jährige Frau bei einem Ladendiebstahl am Wilshire-Boulevard- Los Angeles- ertappt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten wird, ist dies wohl ein neuerlicher schmerzhafter Tiefpunkt im Leben der ehemaligen Hollywood-Diva und schönsten Frau der Welt, Hedy Lamarr.

Ihr wechselhaft, vielschichtiges Leben liest sich wie ein Kaleidoskop der Kultur- Film- und Technikgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Als Hedwig Maria Kiesler am 9. November 1913, 1914 oder 1915 zur Welt kommt (beide Eltern jüdischer Herkunft, Vater der aus Lemberg stammende geschäftige Direktor der Wiener Creditanstalt Emil Kiesler, Mutter, die aus Budapest stammende ausgebildete, den Beruf allerdings nie ausübende Konzertpianistin Gertrud Kiesler geb.Lichtwitz), tobt gerade der „Grosse Krieg“ im alten Europa.

Dieser schreckliche, das bisherige Europa grundlegend verändernde Krieg, wurde schon Jahre zuvor von der damaligen neuen Kunst- und Kulturbewegung der Futuristen (Marinettis Gründungsmanifest des Futurismus erschien 1909 in Paris) gefordert.

Die Futuristen verstanden den Krieg und den Tod im Krieg als Katharsis der bürgerlichen Gesellschaft und sahen im Tod auf dem Schlachtfeld die höchste ästhetische Vollendung der Kunst.

Dieser neuen revolutionären Kunstrichtung, die formal einen Zusammenschluss von Leben (alltäglichen Lebensumständen) und künstlerischer Ver- und Bearbeitung dessen forderte, schlossen sich viele Schriftsteller, Musiker, Maler, Architekten, Theaterschaffende und Aktionisten an. U.a. auch der aus Trenton/New York stammende Pianist und Komponist George Antheil, dessen 1926 uraufgeführtes Werk „Ballet mecanique“ ein großer Skandal, der Saaltumulte zur Folge hatte, war.

In formaler Hinsicht scheiterte Antheil aber bei der Umsetzung dieser rhythmisch äußerst exakten und handwerklich hervorragenden Komposition für 16 Pianolas, zwei Flugzeugturbinen, Propeller und großem Schlagwerk, an der Unmöglichkeit, die Frequenzen der 16 Pianolas zu synchronisieren.

Als Hedwig Kiesler am Schulweg an den Sascha-Filmstudios (einer der Teilhaber an der Sascha Filmprod. Gesellschaft war ihr späterer Mann und Chef der „Hirtenberger Patronenfabrik“ Fritz Mandl) in Sievering vorbeikommt, in denen im Jahr 1930 gerade der erste österreichische Tonfilm „Geld liegt auf der Strasse“ mit Rosa Albach-Retty und Hans Moser (Regie: Georg Jacoby) gedreht wird, heuert sie, fasziniert vom Film, als Scriptgirl an und wird auch mit einer Nebenrolle betraut. Sie bricht ihre Schulbildung ab.

Ein weiterer Film folgt „Sturm im Wasserglas“ und alsbald wird man auch in Berlin auf die junge Schauspielerin aufmerksam und engagiert sie für die Hauptrolle in der Zeitsatire „Man braucht kein Geld“ neben Heinz Rühmann. In der New York-Times (der Film lief unter dem Titel „His Majesty, King Ballyhoo“ auch in den USA) stand zu lesen: „The Girl, who neatly demonstrates that German and Austrian movie actresses need not necessarily all be Marlene Dietrich.“ In Berlin fundiert sie ihr schauspielerisches Talent, indem sie Unterricht bei Max Reinhardt nimmt, der sie auch in zwei seiner Inszenierungen einsetzt („Das schwache Geschlecht“ und „Private Lives“).

Nach weiteren Filmrollen wird ihr, sie ist 17 Jahre jung, die Hauptrolle in Gustav de Machatys (Prager Regisseur) Film „Ekstase – Symphonie der Liebe“ angeboten.

Der 1933 uraufgeführte Film gerät zum Skandal und Welterfolg, da er die erste Nacktszene der Filmgeschichte enthält. Hedwig Kiesler, die erste Nackte auf der Leinwand, erlangt damit Weltruhm.

1932 kehrt sie nach Wien zurück und spielt im Theater an der Wien die Hauptrolle und Titelfigur in Fritz Kreislers Operette „Sissi“ als Zweitbesetzung von Paula Wessely mit dem Vater von Romy Schneider, Wolf Albach Retty, der auch bei Reinhardt in Berlin engagiert ist. Mit ihm verbindet sie ein freundschaftlich-intimes Verhältnis. Am 10. August heiratet sie in Berlin den Milliardär, Waffenproduzenten und Chef der Hirtenberger Patronenfabrik Fritz Mandl. Er ist wie sie jüdischer Herkunft. Beide konvertieren zum Katholizismus und werden nach katholischem Ritus in der Wiener Karlskirche getraut. Auf Geheiß ihres Gatten muss sie Ihren Beruf aufgeben und lebt ab nun unter ständiger Kontrolle im goldenen Käfig. Ihre Rolle beschränkt sich auf die der Dame des Hauses und Gastgeberin bei den geschäftlich wichtigen Abendgesellschaften im Hause Mandl. Bei diesen Anlässen werden u.a.Themen wie die der technischen Realisierung funkgesteuerter Waffensysteme, deren Frequenzen nicht sofort vom Feind mithilfe von Ortungsgeräten abgetastet und decodiert werden können, erörtert.

Hedwig Kiesler-Mandl nimmt als schweigende Zuhörerin an diesen Diskussionen teil, merkt sich technische Detailinformationen, angedachte, aber noch nicht realisierbare Möglichkeiten der Problemlösung und beschäftigt sich autodidaktisch mit dem Problem der Synchronisierung von Frequenzen, dessen Lösung sie einige Jahre später zusammen mit dem Musiker George Antheil als Patent unter dem Titel „Frequenzsprungverfahren“ beim amerikanischen Patentamt einreicht.

1937 flüchtet sie auf abenteuerliche Weise aus der Ehe und lässt sich in Paris von Fritz Mandl wegen seelischer Grausamkeit scheiden.

Kurze Zeit später in London trifft sie auf Louis B. Mayer, dem Chef der weltgrössten Filmproduktionsfirma „MGM“ (Metro Goldwyn Mayer). Er nimmt sie unter Vertrag, ändert ihren Namen zu Ehren des verstorbenen Stummfilmstars Barbara LaMarr in Hedy Lamarr um. Mit ihrem ersten Film „Algiers“ versetzt sie die Kinobesucher in Erstaunen und macht sich über Nacht einen Weltnamen.

In den folgenden Jahren wird sie zur Trendsetterin, zur Stil- und Modeikone, gilt als die schönste Frau der Welt und wird zur bestbezahlten Schauspielerin Hollywoods.

Ehen (6) und Scheidungen wechseln einander ab.

1940 sucht sie George Antheil, den Bad Boy der Musik, auf, der sie als Endokrinologe über die Möglichkeit einer Brustvergrößerung beraten soll. Zusammen mit ihm entwickelt sie das Gerät zur abhör- und steuerungssicheren Funksteuerung für Torpedos.

Nachdem sie sich auch als Filmproduzentin versucht, erleidet sie finanziellen Schiffbruch.

1958 ist ihre Karriere in Hollywood zu Ende. Auch ihre Rechte am Patent des Frequenzsprungverfahrens das allerdings noch nicht umgesetzt wurde, laufen aus. Erst 1962 während der Kubakrise, erfährt das verfahren seine erste militärische Nutzung.

Im Jahr 1997 wird sie dafür mit dem EFF-Pioneer-Award der Electronic Frontier Foundation ausgezeichnet, nachdem sie auch als Schauspielerin vergessen, sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte.

Der „Tag der Erfinder“ wird ihr zu Ehren an ihrem Geburtstag am 9. November gefeiert.

Am 19. Jänner 2000 verstirbt die Diva und Erfinderin, die kalte Marmorgöttin und ehemals schönste Frau der Welt in Altamonte Springs/Florida.

Biographien
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Klaudia Reichenbacher

Klaudia Reichenbacher lebt und arbeitet freischaffend in Graz, hauptsächlich als Regisseurin, Choreographin, Schauspielerin, Ausstatterin und Produktionsleiterin für Theater Kaendace. Daneben wiederholt Engagements u.a. Vereinigte Bühnen Graz/ next Liberty, Schauspielhaus Graz, styriarte, klagenfurter ensemble, stadttheater bruneck, Kleines Theater Bruneck, Theater Frohnleiten, kunsthaus muerz/festival brücken… Sängerin im Nonette „Die Schneider“.

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Ildiko Babys

Geboren als Ungarin in Klausenburg/ Rumänien.

Schauspieldiplom an der Schauspielschule Krauss, Wien. Engagements am Theater in der Josefstadt, Theater der Jugend, Theater Drachengasse, Ensembletheater, Garage X, Schloßspiele Kobersdorf, Carambolage/ Bozen, Wald4ler Hoftheater, Stadttheater Walfischgasse. Seit 2001 Ensemblemitglied der Komödienspiele Porcia.

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Felix Krauss

wurde 1980 in Basel (CH) geboren und in Deutschland aufgewachsen.

Ehe er sein Schauspieldiplom an der Kunstunversität Graz aufnahm, das er 2009 abschloss, war er u.a. als Speditionskaufmann und Barkeeper tätig. Zu sehen war Felix Krauss u.a.in „Der Zerissene“ und „König Lear“ am Schauspielhaus Graz sowie im TaO!in „Der Ganovenkönig“ und in „Eskalation Ordinär“, einer T’eig Theater-Produktion im Literaturhaus Graz, in „Der Halle der Highlung“, Schaubühne Graz, in der ersten Eigenproduktion der Hard Play Company „Der stumme Diener“ von Harold Pinter, Rolle: Ben und bei Paulus Mankers Wagner Projekt in Wien.

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Alexander Mitterer

Der Autor Alexander Mitterer ist 1968 in Bruneck, Südtirol/ Italien geboren und lebt als freier Schauspieler und Regisseur in Graz und Wien.
Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien, Abschluß 1993.
Engagements in Theater, Film, Hörfunk und Fernsehen (u.a. seit 2000 als Komissar Pfurtscheller in der ORF Tatortreihe Tirol von Felix Mitterer)

Michael Merkbuch

Ist als Musiker, Komponist und Tontechniker in Graz tätig.

Neben zahlreichen Arbeiten für diverse Theatergruppen komponierte er Musik und Klangkulissen für Theater Kaendace bei folgenden Produktionen: „Die Beichte“, „Kegome“, „Banken – ein Wörthersee“, „Der Patriot“, „Das bewegte Märchenbuch – Hänsel und Gretel“, „Bis daß der Tag euch scheidet“.

Als Gitarrist und Bassist ist er Mitglied der Gruppen Boxty, Cabernet Reshuffled, Anouche Blu sowie Fun und Stahlbad.