Undine geht

von Ingeborg Bachmann

„Ich habe einen Mann gekannt, der hieß Hans, und er war anders als alle anderen. Noch einen kannte ich, der war auch ganz anders als alle anderen. Dann einen, der war ganz anders als alle anderen und er hieß Hans, ich liebte ihn…“ (Ingeborg Bachmann: Undine geht)

„Ingeborg Bachmanns Werk ist von jener Schönheit, die allem innewohnt, was rein gedacht und gelebt worden ist“ (Neue Zürcher Zeitung)

Theater Kaendace widmet sich nach  Christine Lavant, Peter Handke, Gert Jonke, Felix Mitterer wiedermals einer herausragenden österreichischen Autorin:

Ingeborg Bachmann

Mit „Undine geht“ schreibt Ingeborg Bachmann 1961 an, gegen ein übermächtiges Patriarchat, das nicht nur die Rolle der Frau beschränkt auf ein domestiziertes Wesen, sondern auch den Mann auf eine funktionale Rolle reduziert. In ihrer prägnanten und doch sinnlichen Sprache „vermag Bachmann mit Bildern und Mythen alles über Liebe, Menschen und Verzweiflung zu sagen. Ihren Gestalten ist eines gemeinsam: das Leiden an der ungeheuerlichen Kränkung die das Leben ist.“ (Piper Verlag)

Das Naturwesen, Undine (lat. unda = Welle), das schwer Faßbare, nicht Greifbare, Wässrige, sich Entziehende,  das in seiner Unbändigkeit immer eine Bedrohung für den realistischen Mann darstellte, wandelt sich bei Bachmann  zu einem selbstbewussten, nach Autonomie strebenden Charakter. Die Utopie der harmonischen Vereinigung von Mensch und Natur, von Mann und Frau, von Rationalität und Gefühl, Prosa und Poesie – unterzieht Bachmann einer sarkastischen Bestandsaufnahme, mit dem ernüchternden und schockierenden Ergebnis, daß im herrschenden Patriarchat  alles darauf abzielt, die Allverbundenheit in der kosmischen Harmonie der eigentlich wahren  Existenz zu verleugnen und gewaltsam zu zerstören.
Bachmanns  Undine zieht sich nach den erschöpfenden Begegnungen mit den „Hänsen“ dieser Welt ins Wasser zu einer Art Regeneration zurück, wendet  sich aber vor ihrem Abgang noch einmal an alle Männer, beschreibt in einem leidenschaftlich, sprachgewaltig anklagenden Monolog die Zustände und ihre Rolle, in die sie geraten ist, in die sie immer wieder gerät.
Sie stellt die Frage nach einer möglichen Kommunikation zwischen Männern und Frauen, aus dem Blickwinkel der Frau und aus einer ersehnten Freiheit und Grenzüberschreitung,  beleuchtet die existentielle Wahrheit des Individuums unter dem Druck der gesellschaftlichen Norm  und der erwarteten Anpassung an diese. Sie rechnet ab mit der Unterwerfung der Frau in die passive Rolle der Ehefrau, in der Hoffnung, damit ein Bewußtsein über die eigentliche Existenz zu schaffen. Schmäht die Schuldzuweisung, die immer die Frau trifft, die nach Selbstbestimmung sucht.
In ihre Wut und Wehmut über den Verrat der existentiellen Bestimmung, mischt sich die Hoffnung auf Veränderung. Die Anziehung und Abstoßung, die Sehnsucht und wiederholte Enttäuschung, Nähe und Distanz, Bewunderung und Verachtung für den Mann an sich, wechseln einander ab und erreichen in der Sprachmelodie den Sog einer ständigen Wellenbewegung, das Fließen des Wassers, als mögliche Reinwaschung, als Neubeginn.

Im Verhältnis zu 1961 (dem Entstehungsjahr von „Undine geht“) hat sich einiges zum Besseren gewendet, was das Verhältnis Mann –  Frau im Westen betrifft. Und es zeichnet sich ab, daß alte erstarrte patriarchale Strukturen ( eine gegen die Natur und gegen die Frauen gerichtete Gesellschaft auf der Grundlage einer angeblich omnipotenten männlichen Produktivität, resultierend aus einem katastrophalen Naturverständnis, unter dem wir alle immer offensichtlicher leiden)  einem gesamtheitlich integrativ agierenden weiblichen Handeln weichen werden, weichen müssen…insofern ein guter Zeitpunkt, diesen Apell zu wiederholen und erneut ins Bewußtsein zu holen.

„Denn die Gesellschaft in der wir heute leben, ist als modernes Patriarchat organisiert, in dem eine weitgehende Verkehrung aller Verhältnisse das Leben in Natur und Gesellschaft bestimmt. Nicht das irdisch lebendige, das geborene und seine Entfaltung und Erhaltung stehen im Mittelpunkt der herrschenden Aufmerksamkeit, sondern deren Zerstörung, Transformation und Verkehrung in ein künstlich Gemachtes, ein Ersatz-Leben.
(Claudia von Werlhof: „Die Verkehrung“ ProMedia Vlg. 2011)

„Undine geht“ ist kein harmlos- larmoyantes  Abrechnen in Beziehungsfragen aus dem Jahr 1961, sondern ein immer aktueller und dringlicher werdender, leidenschaftlicher Appell, daß die Frauen sich wieder auf die Seite der Natur schlagen sollen, deren Stimme sie ja seit jeher sind, um zu retten, was noch zu retten ist, in einer Welt der Verkehrung und Verkennung

„Die Natur hat uns nie etwas getan. Im Gegenteil, sie ist unsere Verbündete. Wir werden sie neu kennen lernen. Und von hier aus werden wir die Gesellschaft verändern. Dann können wir auch zu ihr gehören.“ (C.v. Werlhof)

Denn ich habe die feine Politik verstanden, eure Ideen, eure Gesinnungen, Meinungen, die habe ich sehr wohl verstanden und noch etwas mehr. Eben darum verstand ich nicht. Ich habe die Konferenzen so vollkommen verstanden, eure Drohungen, Beweisführungen, Verschanzungen, daß sie nicht mehr zu verstehen waren. Und das war es ja, was euch bewegte, die Unverständlichkeit all dessen. Denn das war eure wirklich große verborgenen Idee von der Welt, und ich habe eure große Idee hervorgezaubert aus euch, eure unpraktische Idee, in der Zeit und Tod erschienen und flammten und alles niederbrannten, die Ordnung von Verbrechen bemäntelt, die Nacht, zum Schlaf mißbraucht.“ („Undine geht“, Ingeborg Bachmann)

Getragen von den schwebenden Klängen des Vibraphons, in der einfühlsamen musikalischen Gestaltung Berndt Luefs, entfaltet der Text einen magisch mystischen Sog, einem zaubrischen Tümpel gleich.

Vorstellungen

Premiere

Montag, 3. April 2014, 20 Uhr, dramagraz

Weitere Vorstellungen

4., 5., 9., 10., 11. und 12. April 2014
jeweils 20 Uhr im dramagraz

Gastspiele

21. und 22. Jänner 2015, 20 Uhr, Theater Halle 11, klagenfurter ensemble, Messeplatz 1/ 11, 9020 Klagenfurt am Wörthersee.

24. Jänner 2015, 20 Uhr tribüne linz, Theater am Südbahnhofmarkt, Eisenhandstraße 43, 4020 Linz.

28., 29. und 31. Jänner 2015, 20 Uhr, Theater(OFF)ensive Salzburg, Bühne im Shakespeare, Hubert Sattler Gasse 3, 5020 Salzburg.

Details zum Stück

Undine geht

von Ingeborg Bachmann

Regie, Ausstattung

Klaudia Reichenbacher/ Alexander Mitterer

mit

Klaudia Reichenbacher als Undine

Komposition/ Livemusik

Berndt Luef

Kritiken

„Undine geht“ und kommt nicht wieder

(…) Die Inszenierung von Alexander Mitterer und Klaudia Reichenbacher lebt von der Poesie des starken Textes ebenso wie von der ausdrucksstarken tänzerischen Performance von Klaudia Reichenbacher. Perfekt abgestimmt auf die mystische Wasserwelt erklingt fast schwebend die Livemusik von Berndt Luef. Ideal für diesen starken Monolog die intime Atmosphäre der kleinen Bühne im Cafe Shakespeare. Ein Abend über das Frau-Sein, nicht nur für Freunde der großen Dichterin.“
Elisabeth Pichler, Dorfzeitung Salzburg 30. Jan. 2015

„In der tiefen Stille unter Wasser. Sie ist ein Wasserwesen, nicht wirklich menschlich aber jedenfalls Frau.

(…) In einer Welt voll von Figuren genannt „Hans“, die unterdrücken, sich „Eintagsfrauen“ und „Lebensfrauen“ nehmen, steht Undine für die Freiheit der Frau und das Auflösen ihrer Fesseln unter Wasser. Denn wahre Liebe braucht keine verschlungenen Hände als Beweis.
Die Inszenierung von Alexander Mitterer und Klaudia Reichenbacher ist sehr reduziert und widmet sich der Poesie und dem Naturelement Bachmanns. Alles ist durchdrungen von einer Stille, wie sie nur unter Wasser möglich ist (…) Hinzu kommt perfekt abgestimmte Vibraphon-Musik von Berndt Luef, die das Behäbige, das Verlangsamte unter Wasser noch verstärkt. Reichenbacher mimt eine feinsinnige Undine, manchmal sehr pathetisch aber durchaus passend zum Stoff. Ein schöner Abend, der das Frau-Sein in den Fokus rückt.“
Sonja Radkohl, Kronenzeitung 5. April 2014

„Alles fließt – wie wahr. Subtil: Ingeborg Bachmanns „Undine geht“.

Im schiefergrünen Nixenkleid taucht Klaudia Reichenbacher als Undine aus der spiegelnden Fläche des Meeres empor und wäscht – um bei der von Ingeborg Bachmann häufig gebrauchten Wassermetaphorik zu bleiben – vor allem männlichen Landbewohnern den Kopf.
Ihr Monolog „Undine geht“ entfaltet trotz harmonischer Sprachstruktur fundamentale Kritik am patriarchalen Gesellschaftssystem und dessen Rollenzuweisungen. Und er wächst sich zum Entwurf eines Lebensmodells aus, das sich letztendlich aber nur – so die zynische Pointe der Autorin – unter Wasser verwirklichen lässt.

Diese Pendelbewegungen zwischen Realität und Mythos nimmt auch die für die Aufführung geschaffene Komposition von Berndt Luef auf, der sie am Vibraphon live als Teil des Stückes umsetzt. Die Töne fließen manchmal träumerisch, einmal drängend, als Unterstreichung ebenso wie als Konterkarierung der Sprache. Tiefgründig im eigentlichen Wortsinn.
Freunde der großen Dichterin kommen voll auf ihre Kosten.“
APJ, Kleine Zeitung 9. April 2014

Biographien
Bernd Luef, Foto ©Peter Purgar
Bernd Luef, Foto ©Peter Purgar

Berndt Luef, geb. 1952 in Knittelfeld

Lebt als freischaffender Künstler in Graz. Schlagzeug Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Graz (Jazz und Klassik). Abschluß 1979, danach Konzentration auf das Vibraphon Diplom 1983. 1988 – 2006 Leiter des Musikreferats im Forum Stadtpark, Graz. Seit 2007 Organisator des Musikfestivals „Herbstzeitlose“ im Wist Moserhofgasse, Graz. Von 1979 – 1990 Mitglied, künstlerischer Leiter (ab 1984) und Komponist für die Rockgruppe „Mirror„. 1982 Gründung des Berndt Luef Trio in der Besetzung: Vibraphon, Baß, Schlagzeug. 1993 Gründung des Musikerkollektivs Jazztett Forum Graz. Kompositionen für diese Formationen und Die Blauen Engel. Sozialisiert in den späten 60er Jahren, hat sich Berndt Luef auch immer mit politischen Ereignissen  auseinandergesetzt, sowohl als Komponist (zB. Chile Suite, zum Putsch in Chile 1973) aber auch als Autor.

Theater Kaendace, Klaudia Reichenbacher. Foto © Robert Fritz, derfritz.at
Theater Kaendace, Klaudia Reichenbacher. Foto © Robert Fritz, derfritz.at

Klaudia Reichenbacher, geb. in Graz,

lebt als freischaffende Regisseurin, Choreographin, Tänzerin u. Schauspielerin in Graz. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien (Mag. Phil). 1989 Gründung des TanzTheaterGraz, Schauspielschule „Spielstatt Ulm“, Engagements an versch. Bühnen und Festivals u.a. Theater Graz/ Next Liberty/ Schauspielhaus, Stadttheater Bruneck, Kleines Theater Bruneck, Theater(Off)ensive Salzburg, Theaterzentrum Deutschlandsberg, Sommertheater Frohnleiten, klagenfurter ensemble, Schaubühne Graz, festival Brücken, kunsthaus muerz, Styriarte… 2004 Gründung Theater Kaendace mit dem Schauspieler und Regisseur Alexander Mitterer. Dafür Arbeit als Regisseurin, Ausstatterin, Produktionsleiterin, Choreographin, Schauspielerin.

Theater Kaendace, Alexander Mitterer. Foto © Robert Fritz, derfritz.at
Theater Kaendace, Alexander Mitterer. Foto © Robert Fritz, derfritz.at

Alexander Mitterer, geb. 1968 in Bruneck, Südtirol/ Italien,

lebt als freier Schauspieler, Regisseur und Autor in Graz und Wien. Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien, Abschluß 1993. Engagements in Theater, Film, Hörfunk und Fernsehen (u.a. ORF Tatortreihe von Felix Mitterer seit 2000, Kommissar Pfurtscheller ) Engagements u.a.Jura Soyfer Theater Wien, Aktionstheater Ensemble Wien, Gessnerallee Zürich, Tiroler Volksschauspiele Telfs, Rabenhoftheater Wien, Theater Graz/ Next Liberty,Stadttheater Klagenfurt, klagenfurter ensemble, Stadttheater Bruneck, steirischer herbst, Arbos Theater Salzburg, Theaterzentrum Deutschlandsberg, Theater Scala Mödling, neuebuehne Villach, styriarte, Carambolage Bozen, TheaterOFFensive Salzburg… Gründete mit Klaudia Reichenbacher 2004 die freie Gruppe „Theater Kaendace“. Dafür Arbeiten als Schauspieler, Autor  und Regisseur.

Autorin

„Ingeborg Bachmanns Werk ist von jener Schönheit, die allem innewohnt, was rein gedacht und gelebt worden ist“ Neue Zürcher Zeitung

Theater Kaendace widmet sich nach Christine Lavant, Peter Handke, Gert Jonke, Felix Mitterer wiedermals einer herausragenden österreichischen Autorin: Ingeborg Bachmann

Mit „Undine geht“ schreibt Ingeborg Bachmann 1961 an, gegen ein übermächtiges Patriarchat, das nicht nur die Rolle der Frau beschränkt auf ein domestiziertes Wesen, sondern auch den Mann auf eine funktionale Rolle reduziert. In ihrer prägnanten und doch sinnlichen Sprache „vermag Bachmann mit Bildern und Mythen alles über Liebe, Menschen und Verzweiflung zu sagen. Ihren Gestalten ist eines gemeinsam: das Leiden an der ungeheuerlichen Kränkung die das Leben ist.“ (Piper Verlag)

Das Naturwesen, Undine (lat. unda = Welle), das schwer Faßbare, nicht Greifbare, Wässrige, sich Entziehende, das in seiner Unbändigkeit immer eine Bedrohung für den realistischen Mann darstellte, wandelt sich bei Bachmann zu einem selbstbewussten, nach Autonomie strebenden Charakter. Die Utopie der harmonischen Vereinigung von Mensch und Natur, von Mann und Frau, von Rationalität und Gefühl, Prosa und Poesie – unterzieht Bachmann einer sarkastischen Bestandsaufnahme, mit dem ernüchternden und schockierenden Ergebnis, daß im herrschenden Patriarchat alles darauf abzielt, die Allverbundenheit in der kosmischen Harmonie der eigentlich wahren Existenz zu verleugnen und gewaltsam zu zerstören.
Bachmanns Undine zieht sich nach den erschöpfenden Begegnungen mit den „Hänsen“ dieser Welt ins Wasser zu einer Art Regeneration zurück, wendet sich aber vor ihrem Abgang noch einmal an alle Männer, beschreibt in einem leidenschaftlich, sprachgewaltig anklagenden Monolog die Zustände und ihre Rolle, in die sie geraten ist, in die sie immer wieder gerät.
Sie stellt die Frage nach einer möglichen Kommunikation zwischen Männern und Frauen, aus dem Blickwinkel der Frau und aus einer ersehnten Freiheit und Grenzüberschreitung, beleuchtet die existentielle Wahrheit des Individuums unter dem Druck der gesellschaftlichen Norm und der erwarteten Anpassung an diese. Sie rechnet ab mit der Unterwerfung der Frau in die passive Rolle der Ehefrau, in der Hoffnung, damit ein Bewußtsein über die eigentliche Existenz zu schaffen. Schmäht die Schuldzuweisung, die immer die Frau trifft, die nach Selbstbestimmung sucht.
In ihre Wut und Wehmut über den Verrat der existentiellen Bestimmung, mischt sich die Hoffnung auf Veränderung. Die Anziehung und Abstoßung, die Sehnsucht und wiederholte Enttäuschung, Nähe und Distanz, Bewunderung und Verachtung für den Mann an sich, wechseln einander ab und erreichen in der Sprachmelodie den Sog einer ständigen Wellenbewegung, das Fließen des Wassers, als mögliche Reinwaschung, als Neubeginn.

Im Verhältnis zu 1961 (dem Entstehungsjahr von „Undine geht“) hat sich einiges zum Besseren gewendet, was das Verhältnis Mann – Frau im Westen betrifft. Und es zeichnet sich ab, daß alte erstarrte patriarchale Strukturen ( eine gegen die Natur und gegen die Frauen gerichtete Gesellschaft auf der Grundlage einer angeblich omnipotenten männlichen Produktivität, resultierend aus einem katastrophalen Naturverständnis, unter dem wir alle immer offensichtlicher leiden) einem gesamtheitlich integrativ agierenden weiblichen Handeln weichen werden, weichen müssen…insofern ein guter Zeitpunkt, diesen Apell zu wiederholen und erneut ins Bewußtsein zu holen.

„Denn die Gesellschaft in der wir heute leben, ist als modernes Patriarchat organisiert, in dem eine weitgehende Verkehrung aller Verhältnisse das Leben in Natur und Gesellschaft bestimmt. Nicht das irdisch lebendige, das geborene und seine Entfaltung und Erhaltung stehen im Mittelpunkt der herrschenden Aufmerksamkeit, sondern deren Zerstörung, Transformation und Verkehrung in ein künstlich Gemachtes, ein Ersatz-Leben.
(Claudia von Werlhof: „Die Verkehrung“ ProMedia Vlg. 2011)

„Undine geht“ ist kein harmlos- larmoyantes Abrechnen in Beziehungsfragen aus dem Jahr 1961, sondern ein immer aktueller und dringlicher werdender, leidenschaftlicher Appell, daß die Frauen sich wieder auf die Seite der Natur schlagen sollen, deren Stimme sie ja seit jeher sind, um zu retten, was noch zu retten ist, in einer Welt der Verkehrung und Verkennung…

„Die Natur hat uns nie etwas getan. Im Gegenteil, sie ist unsere Verbündete. Wir werden sie neu kennen lernen. Und von hier aus werden wir die Gesellschaft verändern. Dann können wir auch zu ihr gehören.“ (C.v. Werlhof)

„Denn ich habe die feine Politik verstanden, eure Ideen, eure Gesinnungen, Meinungen, die habe ich sehr wohl verstanden und noch etwas mehr. Eben darum verstand ich nicht. Ich habe die Konferenzen so vollkommen verstanden, eure Drohungen, Beweisführungen, Verschanzungen, daß sie nicht mehr zu verstehen waren. Und das war es ja, was euch bewegte, die Unverständlichkeit all dessen. Denn das war eure wirklich große verborgenen Idee von der Welt, und ich habe eure große Idee hervorgezaubert aus euch, eure unpraktische Idee, in der Zeit und Tod erschienen und flammten und alles niederbrannten, die Ordnung von Verbrechen bemäntelt, die Nacht, zum Schlaf mißbraucht.“ („Undine geht“, Ingeborg Bachmann)

Getragen von den schwebenden Klängen des Vibraphons, in der einfühlsamen musikalischen Gestaltung Berndt Luefs, entfaltet der Text einen magisch mystischen Sog, einem zaubrischen Tümpel gleich.