„Wir fressen auf….!“
Dramolette von Antonio Fian

Alexander Mitterer, der gerade Erfolge als „Jakob der Letzte“ bei den Rosegger Festspielen in Krieglach feierte und zuvor zum 70. mal als Briefbomber Franz Fuchs in der Kaendace Produktion „Der Patriot“ (Regie: Klaudia Reichenbacher) einen höchst eindringlichen Monolog gab, ist nun im Literaturhaus Graz zu sehen. In Dramoletten des Kärntner Autors Antonio Fian. Unter der Regie und Dramaturgie von Klaudia Reichenbacher ist „Wir fressen auf…“ ein rasanter Szenenreigen, humorvoll, skurril und äußerst aktuell. Für die Tageszeitung „Der Standard“ verfasst und in Sammelbänden im Verlag Droschl erschienen, treffen die Minidramen Antonio Fians den Kern vieler Ereignisse der letzten Monate und Wochen.
Vorschriften und abermals Vorschriften, Dokumentationswahn und Gouvernantenstaat lassen einen zum Widerkäuer werden, der sich an den Formularbündeln gehörig verschluckt.
„Wir fressen auf…“ lenkt den Focus auf  das Fressen und Gefressen werden in unserem Alltag:
von Systemen, Bürokratie, Gesetzesvorgaben, tradierten Glaubenssätzen, gewitzten Mitläufern, Verführern und letztendlich der eigenen Familie.
In Antonio Fians Dramoletten begegnet man dem österreichischen Wesen in kleinen Dosen. Manchmal schwer verkraftbar, aber immer mit einer Wendung ins Komische. Sämtliche Felder des gesellschaftlichen Lebens werden da in ihrer Eitelkeit, Ärmlichkeit, Verstiegenheit, ihrem Nonsens, ihrer Beflissenheit und dem Irrwitz wissenschaftlicher und politischer Verordnungen beackert. In kürzester Form – eben dem Dramolett ( in sich abgeschlossene Szenen von der Dauer weniger Minuten) stellt Fian ein Welttheater vor das überraschte Publikum, das in wenigen Sätzen leichtester Sprachkunst, den Kern eines Themas präsentiert. Was wir uns einverleiben, sowohl physisch als auch geistig, ist oft nur blockierende Vermüllung, Konditionierung, Indoktrinierung.

Die Dramolette und ihre Inhalte: Aus einer Vielzahl von Dramoletten wurden 17 ausgewählt, die einen inneren Zusammenhang zum Thema „Fressen und Gefressen werden“ ergeben: Die Einmischung von Experten in alle Bereiche des Privaten und deren Geschäftemacherei in „Auskunft“ ; daneben die brisante Frage:  Kann man von 150,- Euro leben ? in „Fröhliche Armut“; allgegenwärtige Kriegshetze, vielleicht nach dem Motto: Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor… in „Fahrt ins Feld“; die Schwierigkeiten , Überforderungen und Respektlosigkeiten der Integrationsversuche in „Integrationsvereinbarung“ und „Petzpech“; die emotionale Hingabe an einen „Führer“ (Haiderkult) in „Mein schönster Ferientag“; die immer absurder und überbordender werdenden Sicherheitshinweise in „Verbesserter Service“ und „Tischreservierung“ ; der innerfamiliäre Krieg durch Gekränktheiten in „Münterlein“; die Funkstille durch Smartphonewischerei in „Wischen“ und „Petzpech“ und Fragen zum Kampf im Literaturbetrieb in „Dramaturgentreffen“.

Musikalische Begleitung: Reinhold Kogler: Schräge, musikalische Happen des „Eingreifmusikers mit Spielbeteiligung“ ergeben absurde Momente der Verlorenheit und zeigen am Ende auch, wie nah Kärntner Dialekt und afrikanische Lautmalerei beieinanderliegen. Das Instrumentarium des Einmannorchesters besteht aus Tuba, Akkordeon, Percussion, Ukulele, Stimme und was sich sonst noch findet.

Fotos: Lotte Hubmann

Vorstellungen

Aktuelle Termine

Dienstag, 27. November, 20 Uhr
Mittwoch, 28. November, 20 Uhr
Theater Halle 11/ klagenfurter ensemble
Messeplatz 1, 9020 Klagenfurt.
Karten: 0463/ 310 300,  theater@klagenfurterensemble.at

Details zum Stück

Wir fressen auf…!
Dramolette von Antonio Fian

Aufführungsrechte

Antonio Fian

mit

Alexander Mitterer & Klaudia Reichenbacher

Live Musik

Reinhold Kogler

Ausstattung

Klaudia Reichenbacher

Regie

Klaudia Reichenbacher & Alexander Mitterer

Kritiken

Reflay – REFLexion & EssAY | Soziologie & Kunst

„Wir fressen auf…“ im beschaulichen Rahmen. 

Biographien

Autor Antonio Fian

1956 in Klagenfurt geboren, lebt in Wien;
Dramatiker, Erzähler, Lyriker, Essayist, Kritiker.
Fian liefert in allen seinen Büchern „schwarzen Humor vom Feinsten“ meinte die FAZ, egal ob in der von ihm neu definierten Gattung des Dramoletts (der erste Sammelband „Was bisher geschah“ erschien 1994, weitere Bände sind im Verlag Droschl erschienen), oder in seiner Prosa. Zuletzt erschien sein Roman „Das Polykrates – Syndrom“, der auf der Loglist des Deutschen Buchpreises 2014 stand. Kontinuierliche Veröffentlichungen neuer Dramolett in der Tageszeitung „Der Standard“.

Musiker Reinhold Kogler

geb. in Oberwölz, lebt als freischaffender Musiker in Graz.
Seit 20 Jahren Gastmusiker bei Oper und Schauspielhaus Graz.
Kompositionen und Arrangements für Theaterproduktionen der Freien Szene, und dem Next Liberty Graz (u.a.Peter Pan),
für die Rosegger Festspiele Krieglach 2013 und Raimund Festspiele Gutenstein 2014.
Musiker in Kleinkunstformationen wie „Trio Fürchtet Euch nicht“, „Blaue Engel“, Leo Lukas, mit einer großen stilistischen Bandbreite, die von Jazz über Volksmusik bis zum freien Improvisationsensemble reicht.